Louise Aeschlimann Margaretha Corti Stipendium
4. Mai bis 21. Mai 2006
Das Louise Aeschlimann und Margareta Corti Stipendium der Bernischen Kunstgesellschaft ist das höchstdotierte private Kunststipendium des Kantons Bern. Seit 1942 bis heute wurden 174 junge Berner Künstlerinnen und Künstler mit einem Stipendium oder Förderpreis ausgezeichnet. Dank Beiträgen der Bernischen Kunstgesellschaft, Privaten, sowie kleineren Unterstützungsbeiträgen des Kantons, der Stadt und der Burgergemeinde Bern, erreichte die Stipendiumssumme 2005 erstmals Fr. 70'000.--. Auch für das diesjährige Stipendium stand wieder dieselbe Preissumme zur Verfügung.
Voraussetzung für die Teilnahme am Stipendiumswettbewerb ist der Wohnsitz der Kunstschaffenden in Bern oder Heimatort im Kanton Bern, beides mindestens seit einem halben Jahr. Die Altersgrenze ist auf 40 Jahre festgelegt.
AESCHLIMANN CORTI STIPENDIUM 2006
JURY
Fanni Fetzer, Leiterin Kunsthaus Langenthal
Susanne Kulli (Vorsitz), visarte
Verena Schwab, Künstlerin
Konrad Tobler, Kulturredaktor Berner Zeitung
Christoph Vögele, Direktor Kunstmuseum Solothurn
AESCHLIMANN CORTI STIPENDIUM IN ZAHLEN
Anmeldungen: 95
1. Juryrunde 23. März 2006: 95
2. Juryrunde 19. April 2006: 28
Zurückgezogen: 1
Ausstellung: 19
BERICHT DER JURY
Im diesjährigen Stipendiumswettbewerb für freie Kunst der Louise Aeschlimann und Margareta Corti-Stiftung der Bernischen Kunstgesellschaft bewarben sich 95 Künstlerinnen und Künstler.
Nach intensiver Auseinandersetzung mit den eingegangenen Dossiers wählte die Jury im ersten Durchgang vom 23. März 2006 28 Künstlerinnen und Künstler zur Eingabe ihrer Werke. Davon wurden in der zweiten Juryrunde vom 19. April 2006 Arbeiten von 19 Kunstschaffenden für die Ausstellung im Kunstmuseum Bern ausgewählt.
Unter diesen in der Ausstellung vertretenen Kunstschaffenden entschied sich die Jury im Konsens zwei Hauptpreis von je Fr. 35'000.-- an Peter Aerschmann sowie an Christian Denzler zu vergeben.
ZUR AUSSTELLUNG EINGELADENE KÜNSTLERINNEN UND KÜNSTLER
Peter Aerschmann, Raffaella Chiara, Christian Denzler, Stefan Guggisberg, Ronny Hardliz, Brigitte Lustenberger, Renée Magana, Martin Möll, Andrea Nyffeler, Annaïk Lou Pitteloud, Ana Roldan, Pamela Rosenkranz, Nadin Rüfenacht, Sophie Schmidt, Rolf Siegenthaler, Nadine Städler, Julia Steiner, Reto Steiner, Niklaus Wenger.
Die Ausstellung findet im Kunsthaus Langenthal vom 4. - 21. Mai 2006 statt.
DIE PREISTRÄGER 2006
PETER AERSCHMANN (1969)
Peter Aerschmann ist ein Künstler der Wiederholung. Die Repetition des Gleichen führt bei ihm jedoch nicht zu Stillstand, im Gegenteil, seine Loops stimulieren das Schauen und Denken. Er setzt die technischen Möglichkeiten des Computers nicht mit dem Ziel ein, Perfektion zu erreichen. Vielmehr sind seine Bildmontagen leicht durchschaubar und eröffnen gerade dadurch Raum für Imagination, Reflexion und Fantasie.
Rooftop, Aerschmanns neuste Arbeit, zeigt ein Dach über Alexandrien, das von seiner Grösse her schon fast als Ebene gelten kann. Passanten, ihrer Kleidung nach eindeutig im arabischen Raum zu verorten, lassen das Dach zum städtischen Platz werden – wenn nicht Parabolantennen den Ort eindeutig in die Höhe verwiesen. In früheren Arbeiten spielte Peter Aerschmann mit der Interaktion des Publikums. Rooftop kennt aber keine Knöpfe und Bewegungsmelder, mit denen sich das Bild verändern lässt. Die Betrachterin, der Betrachter ist ganz mit Schauen beschäftigt und folgt dem Panoramaschwenk der Kamera. Dabei sind immer wieder dieselben Figuren zu entdecken, einmal vorne, dann hinten, einmal alleine, dann in einer Gruppe. Die wandelnen Beziehungen zwischen den einzelnen Figuren zeigen sich gerade in ihrer Wechselhaftigkeit als reine Konstrukte in der Vorstellung des Betrachters.
Es geschieht nichts in Rooftop, doch die Erwartung des Betrachters bleibt immer gespannt. Die Arbeit verweist damit jenseits der Ästhetik auf unsere eigenen Vorurteile, die in der Exotik der Situation immer auch Spektakuläres erwartet: Marktgeschrei, Eseltreiben, Bombenattentate. Peter Aerschmanns grosse Leistung mit Rooftop ist, uns bei dieser aufschlussreichen Selbstbeobachtung zu ertappen. Sein Dach über Alexandrien erstrahlt in schöner Normalität. (Fanni Fetzer)
CHRISTIAN DENZLER (1966)
Strich für Strich. Strich an Strich. Und jeder so fein, dass er kaum zu sein scheint. Aber das Ensemble der Striche ergibt einen Bildkörper, bei dem sofort erkennbar ist: Das ist ein Werk von Christian Denzler. Und: Es ist Teil eines Werkes, das von einer Konsequenz und Radikalität, von einer Eigenständigkeit und Beharrlichkeit geprägt ist, die ausserordentlich sind. Das hat die Jury einhellig überzeugt.
Der in Brüssel lebende, 40-jährige Berner Künstler hat eine Zeichentechnik entwickelt, die einzigartig ist. Bei ihm gilt nicht und ist auf einer höheren Ebene aufgehoben, was der Zeichnung häufig vorschnell zugesprochen wird: Sie sei ein fast archaisches, einfaches Medium der Skizze, des Vordenkens, des Vorläufigen. Im Gegenteil: Bei Denzler ist die Zeichnung eine vollkommen autonome, Malerei und Video absolut adäquate Bildtechnik. Denzler beherrscht sie in einer fast altmeisterlich zu nennenden Manier. Dabei – und das ist das Paradoxe in seinem Schaffen – spielt er mit dem Ephemeren, das der Zeichnung eigen sein soll. Denn was er zeichnet – es waren während Jahren körperhafte, durchaus erotische biomorphe Formen – erscheint in einem merkwürdigen Zwischen: Die Dinge sind da, sind voll präsent und plastisch – und scheinen doch auf dem Blatt kaum aufzuscheinen, so fein, wie sie sind. Oder ist, was hier aufscheint, umgekehrt der kurze Moment vor ihrem Verschwinden im Sog des weissen Blattes? Dieses Zwischen lässt sich am besten mit dem Unfassbaren beschreiben: Ein Etwas, das wahrgenommen wird, dessen Existenz sich aber in einer irritierenden Schwebe befindet.
Fast traumhaft und das Moment der Bildwerdung reflektierend sind die Bilder von Denzler. Es ist merkwürdig: Im Medium der Zeichnung schafft er Bilder, die in vielem an das Verfahren der Fotografie erinnert – jenes Medium, das während Jahrzehnten von vielen als kunstfern abgekanzelt wurde. Das wird insbesondere in den neueren Porträts sichtbar. Die Gesichter erscheinen, als ob sie von den Lichtstrahlen eben auf dem Papier belichtet worden wären. Und sie scheinen – bei aller Präzision und Präsenz – so auf, als ob sie sich im labilen Zustand eines Blattes befänden, das im Labor eben im Entwicklungsbad liegt. Was Sein ist und was Schein, das ist hier in eine Balance gebracht, die ein weiteres Wort evoziert: Staunen, ganz einfach Staunen darüber, wie das möglich ist. (Konrad Tobler)
