Anne-Julie Rac­cour­sier

Loop Line

24.02.–01.05.11

Für «Loop Line» ent­wi­ckelt Anne-Julie Rac­cour­sier (*1974) eine kom­plexe Aus­stel­lungs­an­lage aus Videos, Foto­gra­fien und Instal­la­tio­nen. Inhalt­lich pen­deln die Arbei­ten zwi­schen den beiden Begrif­fen «Moti­va­tion» und «Erschöp­fung». Scharf benennt die Künst­le­rin zwei Zustände unse­rer Gesell­schaft, die für unsere Zeit cha­rak­te­ris­tisch sind: einer­seits aktiv, hoch moti­viert, trai­niert, ani­miert, ande­rer­seits hyper­ak­tiv und schlaf­los am Rande einer gros­sen Erschöp­fung. Was einst als Lust­lo­sig­keit durch­ging, an Melan­cho­lie oder herbst­li­cher Schwer­mut, wird heute mit Burn-out bezeich­net und meint den Zusam­men­bruch, den Rück­zug, der erst durch den Ver­lust auch der phy­si­schen Kon­trolle über unsere Exis­tenz gewagt werden kann. Obwohl Anne-Julie Rac­cour­sier ihre Videos und Foto­gra­fien nicht mani­pu­liert, gehö­ren sie weni­ger einer doku­men­ta­ri­schen Kunst an. Viel­mehr ist die Künst­le­rin eine her­vor­ra­gende Beob­ach­te­rin und Ana­ly­ti­ke­rin unse­rer Gesell­schaft mit einem feinen Gespür für irri­tie­rende, absurde Momente und Rituale.

Stets wach und scharf­sin­nig, aber nie iro­nisch oder urtei­lend, fängt die Künst­le­rin ihre oft poe­ti­schen Bilder ein, die die ihnen imma­nen­ten Fragen unver­mit­telt ans Publi­kum rich­ten. Nicht ohne Ver­gnü­gen ent­de­cken wir in Anne-Julie Rac­cour­siers Werk ein inter­na­tio­na­les Gym­nas­tiktref­fen, Renn­pferde im Mus­kel­trai­ning, ein ver­schlei­er­tes Flug­zeug oder silb­rig glän­zende Pilze, die sich auf dem Boden spie­geln. Leben wir so? Orga­ni­sie­ren wir unse­ren Alltag, unsere Frei­zeit, unsere Mobi­li­tät auf diese Art? Warum tun wir uns dies an? Anne-Julie Rac­cour­siers Bilder sind nicht mani­pu­liert, jedoch ist ihre Prä­sen­ta­tion stets eine sorg­fäl­tige Mon­tage: Schnitt und Format sind nie zufäl­lig gewählt. Auch die Prä­sen­ta­tion ist behut­sam insze­niert und die ein­zel­nen Werke sind auf­ein­an­der abge­stimmt. An ihrer bisher gröss­ten Ein­zel­aus­stel­lung zeigt Anne-Julie Rac­cour­sier im Kunst­haus Lan­gen­thal nicht nur neue Video­ar­bei­ten, die Künst­le­rin hat für «Loop Line» auch eine grös­sere Anzahl Objekte und Instal­la­tio­nen entwickelt.

Anne-Julie Raccoursier, Lapland Night, 2011, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal, Foto: Marc Latzel

Impressionen

23.02.11
19:00

Publikation

Anne-Julie Raccoursier. Loop Line

Mit Texten von Kath­leen Bühler und Fanni Fetzer

84 Seiten,
deutsch/französisch/englisch

Kunst­haus Lan­gen­thal, 2011

CHF 25.– + Versandkosten